Mein Schreibplatz
Schreiben geht ganz einfach. Alles, was es braucht, ist ein Blatt Papier, ein Stift, und eine Idee. Manchmal ist es tatsächlich einfach, nämlich dann, wenn die Idee einen Funken entfacht. Dies kann eine Begegnung sein, eine Beobachtung, ein Schattenwurf an der Hauswand, oder ein unerwarteter Regenguss. Eigentlich nichts, was die Welt bewegen würde. Es reicht, wenn es mich in meinem Inneren bewegt.
Nicht selten ist es auch vergebliche Mühe, und das Blatt bleibt leer.
Schreiben ist stimmungsabhängig, meiner und die des Wetters, ein Prozess, im besten Falle eine Lust, manchmal Befreiung, und immer ein Bedürfnis. Schreiben ist auch Glück, das Glück, am richtigen Platz zu sein, auch am richtigen Platz im Leben.
Zugegeben, die grünen Hügel, und die Ruhe im ländlichen Irland können die Inspiration beflügeln. Ob bei Tag im Schutz von dicken Mauern, durch nichts abgelenkt. In den einsamen Stunden der Nacht, in denen das knisternde Feuer das Schweigen durchbricht.
Schreiben geht einfach, nicht im Wollen und Müssen, nur im Sein.
Mein Buch
Wildes Gras
Leseprobe
Sanft und leise war der Regen, er kam über Nacht. Sie öffnete das Fenster noch einen Spalt mehr, die Vorhänge bliesen sich auf, ihr müder, schwerer Körper sank tiefer ins Bett, und sie atmete die gereinigte Luft, die nach leichten Träumen roch. Sie war im frühen Herbst ihres Lebens, genau wie die Jahreszeit. Die Tage waren sonnig und mild, die Natur färbte sich nur langsam in Rot und Gold. Die Haut der Frau zeigte erste Anzeichen von Verwelkung, ihr dichtes aschblondes Haar war ansatzweise ergraut, die Linien um die blauen Augen ließen erahnen, dass es sich nicht um Kummerfalten handelte. Der Körper der Frau war nicht dick, nur leicht üppig, ihr Busen rund und wohlgeformt, ihr Anblick ließ das Temperament eines Vollblutweibes vermuten. Sie war wie eine Blume in der vollen Blüte, man sah, daß der Zenit ihrer Schönheit schon bald überschritten sein würde.
Veröffentlichung im Frühling 2025
Meine Kurzgeschichten
Irische Weihnachten
Leseprobe
Eine lange Fahrt durch die Nacht liegt vor mir, Zeit genug, um durchzuatmen, und meine Gedanken zu ordnen. Wie auf einer Leinwand ziehen die weiten, in Dunkelheit getauchten Landschaften vorbei, fern der Strasse die schattenhaften Umrisse einsamer Cottages, ein schwacher Lichtschein hinter schweren Vorhängen. Ich widerstehe der Versuchung, hinter die Vorhänge schauen zu wollen, ich befürchte, es könnte meine Illusionen zerstören. Wir passieren kleine, in Schlaf liegende Dörfer, beschauliche Städtchen mit Schaufenstern die geschmückt mit Glanz und Glimmer, mit blinkenden Lichtern und grinsenden Schneemännern. Wenn ich der Uhr trauen darf, die im Bus, unübersehbar, im Minutentakt an die Zeit, und an unsere Vergänglichkeit erinnert, geht es auf Mitternacht zu. Dies ist der Zeitpunkt, wo in den Pubs zur letzten Runde aufgerufen wird, es können durchaus mehrere letzte Runden sein, bevor die Bar endgültig dicht macht.
Erhältlich als eBook und Taschenbuch bei ex libris und Orell Füssli (Schweiz)
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